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Die zirkuspädagogische Idee des Circus Montelino

1. Zirkusarbeit bedeutet Selbsterfahrung und Entwicklung eines stimmigen Selbstbildes.

Training heißt Auseinandersetzung mit äußerer und innerer Balance und das Erspüren der eigenen Körpermitte. Durch das Erleben und die Gestaltung ungewöhnlicher, zunächst riskanter Bewegungsformen werden individuelle Grenzen erfahren und Vorraussetzungen geschaffen, diese Grenzen zu respektieren – um sie dann auch in dem Moment, in dem man innerlich dazu bereit ist, zu überschreiten. Das stärkt das Selbstwertgefühl und ermöglicht innere Ruhe und Stabilisierung der Identität.

2. Zirkus ist konstruktive Teamarbeit.

Über körperliches, konkretes Handeln werden Aufmerksamkeit und Bewusstsein für Wünsche und Bedürfnisse anderer geschult, Verantwortung wird gemeinsam getragen (ganz besonders in der Akrobatik). Eine differenzierte Leistungsorientierung wird möglich: Neben der objektiven Leistung gibt es zentrale subjektive Kriterien: Wie schöpfe ich mein persönliches Potential aus? Wie gestalte ich spielerisch mein technisches Können? Wie kann ich mit meinem Können andere unterstützen und zum Leuchten bringen? Die teambezogene Leistung und das gestaltende Miteinander stehen so im Vordergrund. Entwicklung wird individuell im sozialen Organismus gefördert. Mit diesem Fokus wird ein positives Alternativmodell zu einseitig leistungsorientierten und ausgrenzenden Tendenzen unserer Gesellschaft entwickelt.

3. Zirkus verbindet Menschen.

Altersgemischte Trainingsgruppen ermöglichen ‘Patenschaften’ erfahrener ArtistInnen für Neueinsteiger. Die Jüngeren lernen Disziplin und genaues Arbeiten am Vor-Bild der ‘Großen’. Diese wiederum werden angesteckt von der begeisterten Spielfreude des Nachwuchses. Durch die körperbetonte Arbeit wächst auch in geschlechtsgemischten Trainingsgruppen ein selbstverständlicher körperlicher Umgang, der Nähe entspannt zulässt – und damit eine natürliche Vertrautheit auch zwischen Jungen und Mädchen schafft.

4. Zirkusarbeit hilft, das Spiel - mit seinem Reichtum an Ausdrucks- und kreativen Lernformen - von der Kindheit in die Jugendphase hinüber zu geleiten.

Spiele sind spannungsvoll und entspannend zugleich: somit bietet Zirkus Schutzräume und schafft Freiräume zur Entfaltung von Persönlichkeiten ohne Zwänge zu den reduzierten Posen vieler Jugendkulturen. Zirkus schärft den Blick für das unerschöpfliche Potential eines jeden Menschen für kreative Bewegungs- und Ideenvielfalt.

5. Zirkus fördert die Persönlichkeitsentwicklung und stützt Identitätsfindungsprozesse

Im Spiel wie auch im Zirkus gibt es kein ’Falsch’ und ’Richtig’ - Ein ’Falsch’ gibt es nur, wenn beispielsweise in der Akrobatik Bewegungsabläufe ausgeführt werden, die der Anatomie des Menschen nicht entsprechen. Im Gestaltungsprozess von Darbietungen, aber auch im individuellen Umgang mit Zirkustechniken, ist konkret erlebbar, dass Bewegungsideen grundsätzlich Wert neutral und offen sind. Oft sind es sogar vorschnell als ‘falsch’ eingestufte Handlungen, die in der Zirkusarbeit zu ungewöhnlichen, überraschenden und unterhaltsamen Lösungen führen. Erfahrungen dieser Art helfen, dass Menschen einen freien Umgang mit ihrem kreativen Potential entfalten und sich selbst als Erfinder und Gestalter von Wirklichkeit wahrnehmen können

6. Zirkusarbeit fördert somit zentrale Kompetenzen Heranwachsender in den unüberschaubarerer werdenden Welt- und Lebensverhältnissen im 21. Jahrhundert.

Im Zirkus werden persönliche Kompetenzen wie Beweglichkeit – und damit verbunden: gesunde körperliche Entwicklung und Entfaltung -, Sensibilität, Mut, Kraft, Eigeninitiative, Risikobereitschaft, Humor, konstruktiver Umgang mit Misserfolgen, Phantasie und ästhetisches Bewusstsein gefördert, aber auch soziale Kompetenzen wie Kooperation, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsstile und Konfliktlösungsstrategien, Toleranz und soziale Integration erlebt, entwickelt und im künstlerischen Arbeitsprozess gestaltet.